Dionysos in Mexiko City

Airen: I Am Airen Man
Von Christoph Hümpfner

Geboren aus einer Tragödie und einem Lurch, welcher dem Literaturbetrieb Anfang des Jahres 2010 über die Leber lief, nutzt Airen die ihm gewidmete, willkommene Aufmerksamkeit, um sein zweites Buch auf den Markt zu bringen. Nachdem Jungautorin Helene Hegemann im feuilletonistisch durchzelebrierten Plagiatsstreit die fremden Federn lassen musste, mit welchen sie ihren Debütroman ausgeschmückt hatte, war der Weg frei für den düpierten Blogger.

»Meta-Trash«

Max Goldt: Gattin aus Holzabfällen. Mit Text versehene Bilder
Von Ruven Karr

›Es ist nicht alles Goldt, was glänzt‹ – das wäre eine ganz schlechte Überschrift für diese Rezension. Und das nicht nur, weil Max Goldt ein bekennender Hasser aller journalistischen Phrasendrescherei ist, sondern vor allem, weil sein neues Buch trotz bibliophiler Aufmachung überhaupt nicht glanzvoll wirkt. Seinen Einband ziert nämlich ein grundhässliches Kunstwerk aus Abfall. Um es anzufertigen nehme man ein Dutzend Holzscheite verschiedener Größe, forme daraus ein kompaktes Bündel und drapiere es mit einem dicken braunen Seil. Dazu schreibe man ein Schildchen wie in einem Museum: »Gattin«, Holzabfälle, Sisalseil, 2006 und schenke es der Liebsten zum Hochzeitstag. Max Goldt meint, die werde sich über eine solche selbstgemachte Plastik sicherlich mehr freuen als über einfallslose Blumen- oder Pralinengeschenke. Außerdem sieht das Gebilde ja auch ein bisschen wie so eine »Gattin« aus: der sprußige Zopf des geflochtenen Seils und darunter ein löcheriges Mosaik aus Holzteilen, in dem man mit ein bisschen Phantasie ein Gesicht erkennen mag.

Ich bin noch da, ihr Schweine!

Clemens Meyer: Gewalten. Ein Tagebuch
Von Adrian Froschauer


Aua ist der simple und leicht nachvollziehbare Titel jenes Bildes Paule Hammers, das den Einband von Gewalten ziert. Ein schwarzer Nachthimmel, gespickt mit Hunderten weißer Punkte, und auf jedem steht in winziger Schrift »Aua« geschrieben. Zig Wehklagen, ein universeller Schmerzensschrei – wie dieses Buch?

11 Fragen an Benjamin Stein

In einem Email-Interview stand Benjamin Stein Melanie Horn Rede und Antwort. Wir danken Benjamin Stein an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich für das Interview.

»Die Welt in mir war für mich die Welt«

Benjamin Stein: Die Leinwand
Von Melanie Horn

Jan Wechsler, Münchner Verleger, verheiratet, Vater von zwei Kindern, wurde 1960 in Berlin-Friedrichshagen geboren. Aufgewachsen unter dem begrenzten Himmel des Sozialismus und in finanziell bescheidenen Verhältnissen, war seine Jugend geprägt von Enge und Beschränkungen. Einen Ausweg fand er im Lesen von Büchern: »Ich wuchs auf mit ihnen, ich liebte sie. [...] Es dauerte nicht lange, und ich lebte nur noch mit, in und um die Bücher«. Eigene Texte hat er nicht veröffentlicht. – Dies zumindest ist Jan Wechslers Version seiner Vergangenheit.

Krise statt Karriere

Kristof Magnusson: Das war ich nicht
Von Jennifer Stockum

 Meike, Jasper und Henry stehen an einem Scheideweg ihres Lebens. Schicksalhafte Fügungen werfen sie in ein Netz wechselseitiger Abhängigkeiten, die sie alle in Chicago aufeinandertreffen lassen. Aus der Ich-Perspektive erzählen die drei Protagonisten des in die Longlist des Deutschen Buchpreises 2010 aufgenommenen zweiten Romans Kristof Magnussons abwechselnd ihre Geschichte.

Liebe als Fernziel

Stephan Thome: Grenzgang
Von Boris Seewald


Das Scheitern wird früh zum Leitmotiv in Stephan Thomes Romandebüt: Sein männlicher Protagonist ist vorzeitig am Ende seiner akademischen Karriere angelangt. Vom »übermächtigen« Institutsleiter geschasst, verliert Thomas Weidmann seine Habilitationsstelle – wenig überraschend, wusste er doch um dessen Ablehnung seiner Forschungsrichtung, die er gleichwohl starrsinnig weiter verfolgte. Die bisherige Arbeit ist somit nutzlos geworden und er betrachtet seine Laufbahn als Historiker in Berlin als beendet:
 
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